|
PAUL BENEKE |
|
|
|
|
|
(1440 -1480)
Dieweil das Schiffsvolk sieht, daß 1 die Welschen an Geschütz und Zahl überlegen sind, wird es zaghaftig und weicht zurück. Da hebt Paul Beneke in gar zornigem Mut zu seinen Preußen an und spricht: »Gesellen, wat do wi nu? Wat will hirut werden? Wo willen unde können wi dat verantworten? Nun wollte ich doch, daß ich diesen Tag nicht erlebt hätte, wo ich mit meinen Augen ansehen muß, daß so mancher deutsche Schiffsmann vor den Welschen verzagt und die Flucht nimmt. Sollen wir die Schande unser Leben lang tragen, daß die Kinder mit Fingern auf uns weisen und nachschreien:
Das sind die, die sich von den Welschen haben verjagen lassen? Gedenkt doch, welch einen Mut unsere Feinde, die Englischen, erhalten werden, daß die allezeit gewinnen und wir verlieren. Wie manchen frommen deutschen Seemann werden wir um Leib und Gut bringen!« Da beginnen sich die Preußen als Deutsche zu beweisen, unverzagt wie die Löwen zu den Welschen hinzudrängen und sie zu schlagen. _
Worte aus dem zu Anfang des 16. Jahrhunderts verfaßten, von Gustav Freytag ins neuere Deutsch übertragenen Bericht des lübischen Chronisten Reimar Kock. »Ich will einem deutschen Helden die Ehre tun und seine Historia getreulich beschreiben«, beginnt Kock seine Schilderung der Taten des Danziger Hanseadmirals und Kaperfahrers Paul Beneke. In einem anderen Bericht aus jener Zeit, der Detmar-schen Chronik, wird Beneke als »en hart Sevogel« charakterisiert.
Der kühne Seemann wird um 1440 geboren. Schon als junger Mann erwirbt er sich legendären Ruhm. So macht er als Schiffsjunge in der Seeschlacht bei Bornholm am 26727. September 1455 mit seinem Enterbeil den Führer der Dänen kampfunfähig. Auch beim Überfall auf Anholt, 1466, zeichnet er sich hervorragend aus.
Zur historisch überragend bedeutsamen Gestalt wird Beneke durch sein verwegenes Wirken im großen Krieg zwischen England und der deutschen Hanse, 1468 bis 1474. Der »harte Seevogel« hat maßgeblichen Anteil daran, daß das gewaltige Ringen um die Vorherrschaft auf den Nordmeeren zugunsten der Deutschen ausgeht und die Hanse auf weitere 100 Jahre die Führungsmacht im Norden bleibt.
Im Jahre 1468 hat der englische König zum großen Schlag gegen die Hanseaten ausgeholt. Die deutschen Kaufleute in London werden gefangengenommen, manche sogar hingerichtet. Ihre Besitztümer konfisziert man. London will die Macht der Hanse brechen und Nord- wie Ostsee englischer Gewalt unterwerfen.
Dagegen formiert sich der hansische Widerstand. Im Seekrieg gegen England lauert Kapitän Beneke mit seiner »Mariendrache« auf Beute. Zu Neujahr 1470 kapert er die »John of Newcastle«, sein erstes größeres englisches Schiff. Im darauffolgenden Jahr gelingt dem Danziger Seehelden eine ganze Reihe tollkühner, schier unglaublicher Streiche gegen Engeland: So setzt er den Bürgermeister von Dover gefangen, nachdem er ihn durch Hissen der französischen Fahne getäuscht und an Bord gelockt hat. Dann schießt er nicht weniger als 18 vor der Küste liegende englische Handelsschiffe in Brand.
Wenig später sichtet Beneke im Ärmelkanal französische Schiffe. Kein Zweifel: Es ist die Flotte mit dem Londoner Lord-Mayor, der von einem Besuch in Frankreich heimkommt. Beneke stürzt sich auf die Schiffe, nimmt die englischen Würdenträger gefangen, beschlagnahmt alles britische Gut. Dann läßt er die Franzosen, kaum daß sie fassen können, was eigentlich geschehen, wieder laufen.
Bald darauf werden Beneke mehrere englische Kriegsschiffe gemeldet, darunter die »Saint John«, das mächtige Flaggschiff, die vor der holländischen Küste liegen. Der Seevogel sendet zwei beherzte Danziger seiner Mannschaft aus, die mit List an Bord des englischen Flaggschiffs gelangen und heimlich flüssiges Blei in die Angeln des Steuerruders gießen. Am nächsten Morgen fährt Beneke in dichtem Nebel wie der Kapitän eines Geisterschiffes auf die Engländer zu, schießt eines ihrer Schiffe zusammen, kapert das zweite und nimmt auch die bewegungsunfähige »Saint John«.
Endgültig zum furchtbarsten Schrecken des Feindes wird Paul Beneke, als er am 3. Oktober 1472 mit der »Peter von Danzig« eines der gewaltigsten hansischen Kriegsschiffe als Kommandant übernimmt; es hat 350 Mann Besatzung an Bord. 1473 gelingt dem zum Admiral beförderten harten Seevogel der größte Schlag: Er kapert in kühnem Handstreich die schwerbewaffnete »Sankt Thomas«, ein für England fahrendes, mit burgundischer Flagge getarntes Schiff einer florentinischen Gesellschaft. Unermeßliche Reichtümer erobert Beneke der Hanse, darunter Memlings berühmtes Altarbild »Das Jüngste Gericht«, das der Seefahrer seiner Heimatstadt Danzig für die Marienkirche schenkt.
Nachdem Beneke auch die kurzzeitig mit London verbündeten Franzosen geschlagen hat, muß England 1474 im Vertrag zu Utrecht die Vorherrschaft der Hanse hinnehmen. Der Seevogel stirbt, vermutlich an Cholera, um 1480 in seiner Heimatstadt. Doch bleibt er als Danziaer Seeheld unsterblich. |
|
|
|
|
|
Diese Seite als Bookmark speichern :
|
|
|
|
|
|
<< vorhergehender Begriff |
|
nächster Begriff >> |
|
|
|
|
|
|
|
|
|