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ALFRED BINET

 
     
  ALFRED BINETund der IQTest. Lebensdaten: 1857 - 1911. Mit dem franz�sischen Psychologen Alfred Binet begannen die Versuche, den Intelligenzgrad eines Menschen zu bestimmen. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts entwickelte er Testserien, um das sogenannte individuelle Intelligenzalter von Kindern zu ermitteln. Urspr�nglich aufgestellt, um Entwicklungsr�ckst�nde feststellen zu k�nnen, wurden diese Testreihen von Lewis Terman umgearbeitet und erlangten, als sie w�hrend des Ersten Weltkriegs von der US-Army eingesetzt wurden, als Stanford-Binet-Tests hohes Ansehen. Die Flexibilit�t und minimalen theoretischen Grundlagen des Intelligenzquotienten (IQ) erm�glichten die breitgef�cherte Anwendung der Tests und waren letztlich auch ausschlaggebend f�r die Konflikte, die dadurch ausgel�st wurden. �IQ-Tests�, schreibt Stephen Jay Gould, �hatten folgenschwere Auswirkungen in unserem Jahrhundert.� Basierend auf der ungesicherten Annahme, da� Intelligenz vererbbar sei, liefert der IQ-Test wissenschaftlich zuverl�ssige Ergebnisse, die zum Ausgangspunkt f�r rassistische Folgerungen wurde, die seinen Sch�pfer zweifellos erschreckt h�tten. Alfred Binet, ein Reformer, gilt als einer der wichtigen fr�hen Psychologen. Nach JEAN PIAGET war er ein �feinf�hliger Analytiker von Denkprozessen ... der sich wie kein zweiter bewu�t war, wie schwierig es ist, durch Messungen die wirklichen Mechanismen der Intelligenz verstehen zu k�nnen.� Alfred Binet wurde am 11. Juli 1857 in Nizza geboren. Sein Vater und Gro�vater waren �rzte, seine Eltern trennten sich jedoch, als er noch ein Kind war, und er wuchs bei seiner Mutter, Madame Moina Binet, auf. �ber seine Kindheit ist wenig bekannt. Seine Biographin Theta Wolf glaubt, da� sein Vater ihn, um ihn von seiner Angstlichkeit zu kurieren, in ein Leichenschauhaus brachte und zwang, eine Leiche zu ber�hren, weshalb er sich sp�ter weigerte, Medizin zu studieren. 1872 trat er in das renommierte Lycee Louis-le-Grand ein, das er 1875 abschlo�. Er studierte Jura und erwarb 1878 seine licence. Um 1880 verbrachte er seine Zeit in der Bibliotheque Nationale, um sich mit der in Frankreich, England und Deutschland aufkommenden Psychologie zu besch�ftigen. Sehr viel sp�ter, 1894, erwarb er sich auch in den Naturwissenschaften die licence, war aber, wie manchmal zu lesen ist, kein Arzt. Binets fr�he Aufs�tze, in denen er versuchte, die unergiebigen psychologischen Gedanken John Stuart Mills zu erweitern, trugen ihm 1882 eine Laborstelle bei dem ber�hmten Jean Martin Charcot ein. Er blieb dort sieben Jahre und befa�te sich mit der Hysterie. Sein erstes Buch, La psychologie du raisonnement, 1886 ver�ffentlicht, handelt von den Grunds�tzen des Assoziierens. 1892 wechselte er an das neue Labor f�r Physiologie und Psychologie an der Sorbonne und wurde vier Jahre sp�ter, nach dem Tod von Henry Beaunis, dessen Direktor; eine Stellung, die er bis zu seinem Tod innehatte. 1895 war er einer der Mitbegr�nder der ersten und f�r viele Jahre einzigen franz�sischen Zeitschrift f�r Psychologie, L'Annee psychologique. Sp�ter wurde er auch ihr leitender Herausgeber. Als Zeitgenosse WILHELM WUNDTS, dem ersten Experimentalpsychologen, unternahm Binet einige Studien zu den Ph�nomenen optischer T�uschung und zu den taktilen Sinnen. Im Allgemeinen aber konzentrierte er sich auf gr��ere Themen und Zusammenh�nge. Wie viele franz�sische Psychologen im 19. Jahrhundert spekulierte er �ber mentale Prozesse wie Denkvorg�nge beim Schachspielen oder Kopfrechnen. Er ver�ffentlichte mehrere B�cher �ber die Hypnose und befa�te sich mit der Graphologie, die er sehr ernst nahm. �Ganz gewi� ist etwas an der Graphologie�, schrieb er, und in Frankreich beurteilen die Unternehmen noch heute handschriftliche Bewerbungen, bevor sie einen neuen Mitarbeiter einstellen. 1890, in Vorwegnahme der fr�hen Arbeiten von Jean Piaget, ver�ffentlichte er die Ergebnisse von Experimenten, die er mit seinen kleinen T�chtern unternommen hatte. 1903 erschienen weitere Untersuchungen, in denen er ihre Techniken zur Probleml�sung analysierte. Als sein gr��tes Werk aber gilt Etude experimentale de l'intelligence. In dieser Studie beeindruckte ihn vor allem die Tatsache, da� seine T�chter nicht in der Lage waren, alles, was sie dachten, bildhaft zum Ausdruck zu bringen - ihrer Selbstreflexion und damit der F�higkeit zur Verallgemeinerung waren klare Grenzen gesetzt. Florence Goodenough nannte dieses Werk �eine der �berzeugendsten Studien zu den Pers�nlichkeitsunterschieden, das jemals erschienen ist.� Binets Konzeptionalisierung der Intelligenz und der Entwicklung von Verfahren, sie zu messen, erstreckte sich -beginnend mit dem Jahr 1890 - �ber einen Zeitraum von f�nfzehn Jahren. Er schlug vor, einen Ort zu schaffen, um die �h�heren Vorg�nge� zu messen, die f�r die individuellen Unterschiede verantwortlich sind. Intelligenz, argumentierte er, sei eine synthetische Funktion, die aus einer Anzahl von Faktoren wie Ged�chtnis, Konzentration und Einbildungskraft zusammengesetzt ist. Somit wandte er sich gegen die Methoden der damaligen Zeit, welche quantitative Ans�tze zugrunde legten. Mit seinem Kollegen Theodore Simon unternahm er verschiedene Versuche, k�rperliche Anzeichen der Intelligenz zu finden - fruchtlose Versuche, die nichts au�er der Null-Hypothese best�tigten: Zwischen Intelligenz und k�rperlichem Aussehen gibt es keinen Zusammenhang. Als Binet 1904 gebeten wurde, eine Methode zu entwickeln, um feststellen zu k�nnen, welche Schulkinder zur�ckgeblieben sind, erkannte er, wie wichtig es war, eine Art Normalzustand als Ausgangspunkt festzulegen. Aus dieser Einsicht heraus sollte der IQ-Test entwickelt werden. Binet selbst war nicht daran interessiert, eine Art Me�latte an Kindern anzulegen, entwickelte aber eine Reihe von einfachen Tests, mit denen es m�glich war, Ged�chtnis, Konzentrationsf�higkeit, Satzverst�ndis, moralische Urteilskraft zu bestimmen. So sollte ein drei Jahre altes Kind f�hig sein, auf seine K�rperteile zu zeigen, im Alter von zw�lf sollte es einen aus sechsundzwanzig Silben bestehenden Satz wiederholen k�nnen. Fragen wurden entwickelt und empirisch an Kindern getestet. Dabei fielen Binet und Simon die negativen Folgen auf, die manchmal die Umgebung auf Kinder aus�bt. Nachdem sie in einem Pflegeheim Kinder zwischen drei Monaten und zwei Jahren untersuchten, kamen sie zu dem Ergebnis, da� �schon in diesem Alter �u�erste Armut, fehlende Z�rtlichkeit, mangelndes Spiel und Hingabe ihre Spuren hinterlassen und die Entwicklung der geistigen Anlagen verz�gern.� In den n�chsten drei Jahren arbeiteten sie den 1905 konzipierten Test um, 1911 erfolgte eine weitere Revision. 1914 schlug der deutsche Psychologe Wilhelm Stern eine quantifizierbare Skala vor, mit der er das nat�rliche Alter des Kindes mit seinem �Intelligenzalter� in Beziehung setzte, wobei er f�r das �normale� Kind einen Quotienten von 1.0 festlegte. In dieser Form, die f�r sich eine Genauigkeit beanspruchte, die nach Binet und Simon nicht n�tig war, gewannen die Tests enorme Popularit�t, so da� H. H. Goddard, einer ihrer Bef�rworter, 1915 schreiben konnte, da� �die ganze Welt von den Binet-Simon-Tests spricht.� 1916 ver�ffentlichte Lewis Terman die �Stanford-Revision und Erweiterung der Binet-Simon-Tests�, die die Grundlage f�r die noch heute gebr�uchlichen IQ-Tests lieferte. Mit Terman kam auch die - ideologisch motivierte -Annahme, da� Intelligenz zum gro�en Teil vererbbar sei. Terman selbst illustriert wie kein anderer die Tatsache, da� manche Bef�rworter des Tests zugleich diejenigen waren, die ihm den gr��ten Schaden zuf�gten. Ein weiterer Forscher, der Brite Sir Cyril Burt, ver�ffentlichte jahrelang gef�lschte Datenreihen, die mit seinen hypothetischen Annahmen �bereinstimmten, ohne da� dies seine Kollegen jemals hinterfragt h�tten. Skandal�ses brachten auch Leon Kamins Untersuchungen �ber das Zustandekommen mancher IQ-Werte zu Tage. So dachten sich einige Forscher die Werte f�r erwachsene Analphabeten einfach aus. Neuen Z�ndstoff f�r die IQ-Kontroverse lieferte der Bestseller von Richard J. Hernstein und Charles Murray, The Bell Curve, doch sowohl das Buch als auch die dadurch ausgel�ste Debatte waren so von politischen und ideologischen Standpunkten kontaminiert, da� wissenschaftliche Einsichten nicht mehr zum Tragen kamen. Alfred Binet heiratete 1884 Laure Balbiani, die Tochter eines Embryologen. Ihre beiden T�chter Madeleine und Alice hei�en in Binets Intelligenzstudien Marguerite und Armande. Binet, ein energischer, unnahbarer Mensch, wurde von seinen Freunden mehr geachtet als geliebt. Seine Tochter Madeleine allerdings schrieb, da� ihr Vater �ein vor allem lebhafter Mann war, fr�hlich, h�ufig ironisch, h�flich in seinem Umgang, klug in seinen Urteilen, nat�rlich ein wenig skeptisch - bescheiden, geistreich, intelligent und phantasievoll.� Er starb am 18. Oktober 1911 an �zerebraler Apoplexie�.  
 

 

 

 
 
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