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FRANCIS GALTON

 
     
  FRANCIS GALTON und die Eugenik. Lebensdaten: 1822 - 1911. Francis Galton, einer der letzten �Gentleman�-Wissenschaftler, leistete vielf�ltige Beitr�ge zur Meteorologie und experimentellen Psychologie. Zu seinen folgenreichsten Errungenschaften geh�rt die Daktyloskopie, die Abnahme von Fingerabdr�cken im polizeilichen Erkennungsdienst. Bekannt wurde er jedoch vor allem durch sein leidenschaftliches Eintreten f�r die von ihm mitbegr�ndete Eugenik, einer programmatischen Theorie mit dem Anspruch, da� Menschen wie Tiere �gez�chtet� werden k�nnten, um erw�nschte �gute� Merkmale zu f�rdern und unerw�nschte auszul�schen; Ansichten, die auf heftige Kritik trafen und u. a. von den Nationalsozialisten �bernommen wurden. Obwohl mittlerweile diskreditiert, hat die Eugenik unter vielgestaltigen Maskierungen das 20. Jahrhundert �berdauert, und ihre Geschichte liefert hinreichende Gr�nde, um bei den aufkommenden Genmanipulationen Vorsicht walten zu lassen. Trotz einiger interessanter Einschr�nkungen war Francis Galton ein �viktorianisches Genie�, dessen bedeutendste Leistung, wie David Depew und Bruce Weber schreiben, darin lag, da� er als erster erkannte, da� der Darwinismus �eine Theorie ist, in der statistische Aussagen... eine eigenst�ndige und lohnende Erkl�rungskraft besitzen.� Francis Galton wurde am 16. Februar 1822 in der N�he von Birmingham als Sohn des Bankiers Samuel Tertius Galton und Violetta Darwin Galton, der Tochter von Erasmus Darwin, geboren. Er war das j�ngste von sieben Kindern, fr�hreif und bereits im Alter von vier Jahren in der Lage zu lesen und zu rechnen. (Sein IQ wurde einmal auf 200 gesch�tzt!) Da seine Eltern f�r ihn das Medizinstudium vorsahen, begann er mit sechzehn Jahren am General Hospital in Birmingham zu studieren, wechselte sp�ter ans King's College in London und erlitt am Trinity College in Cambridge wegen Arbeits�berlastung einen Nervenzusammenbruch. Im Januar 1844 erhielt er den Bachelor, bald darauf starb sein Vater - ein wichtiger Einschnitt in seinem Leben. Er beschlo� nicht nur, die Medizin aufzugeben, sondern war durch die gro�e Erbschaft, die er machte, finanziell unabh�ngig und konnte seine eigenen Interessen verfolgen. Der Aufstieg des britischen Empires schuf f�r junge, distinguierte �Gentlemen� wie Galton die M�glichkeit exotischer Reisen. 1845 reiste er nach Afrika, segelte den Nil hoch, durchquerte die Sahara und besuchte Jerusalem und Beirut. 1846 kehrte er nach England zur�ck, begab sich bereits 1850 auf eine zweite Reise und ver�ffentlichte 1853 seinen Bericht eines Forschers im tropischen S�dafiika, zwei Jahre sp�ter The Art of Travel; or, Shifts and Contrivances Available in Wild Countries, ein Buch, das zu einem dauerhaften Bestseller wurde. Nur spekulieren kann man, inwieweit Galton von den Reisen seines dreizehn Jahre �lteren Cousins CHARLES DARWIN auf der Beagle beeinflu�t wurde. 1853 heiratete er Louise Butler, lie� sich h�uslich nieder und widmete sich dem Studium der Meteorologie. Galton war einer der ersten, der mit Nachdruck versuchte, Wetterkarten zu erstellen, auf ihn geht der Ausdruck �Antizyklon� zur�ck, womit er Hochdrucksysteme bezeichnet. Mitte der 60er Jahre begann er sich mehr und mehr mit der Vererbungslehre zu besch�ftigen. Laut seinem Biographen S. W. Forrest r�hrte Galtons Interesse an der Vererbung aus der Zeit her, als sich unwiderruflich abzeichnete, da� seine Ehe, die nicht die beste und von sexueller Entt�uschung gepr�gt war, unfruchtbar sein w�rde. Daneben litt er an Schwindel- und Angstanf�llen. Abgesehen von diesen psychologischen Faktoren ist nicht klar, warum er sich mit der Vererbung besch�ftigte. Aber als er sich ihr zuwandte, tat er es mit gro�er Begeisterung und fast religi�sem Eifer. 1865 schrieb er erste Aufs�tze zu dem Thema, 1869 wurde sein Werk Genie und Vererbung ver�ffentlicht, 1874 folgte English Men of Science. In diesen und anderen Werken verlieh er seiner �berzeugung Ausdruck, da� Intelligenz, Temperament und k�rperliche Merkmale vererbbar seien, da� �die Vererbung ein weitaus st�rkerer Faktor in der menschlichen Entwicklung darstellt als die Erziehung.� Beeinflu�t von seinen Reisen im kolonialen �gypten und Afrika, glaubte er, da� nicht-europ�ische V�lker minderwertig w�ren, und war beunruhigt �ber ihre h�heren Geburtenrate. �Es liegt am �beraus unqualifizierten Anspruch der Behauptung, der Natur nach seien alle gleich, begr�ndet, da� ich ihr widerspreche� schrieb er. Die L�sung, glaubte er, liege in der Manipulation menschlichen Erbguts. �Es scheint, als sei die �u�ere Gestalt zuk�nftiger Generationen in den H�nden des Z�chters so formbar wie Lehm. ... Mein Wunsch ist es nachzuweisen ... da� die gegen Eigenschaften ebenso geformt werden k�nnen. �In seinem 1883 erschienen Buch Human Faculty pr�gte er den Ausdruck Eugenik, die er als Wissenschaft definierte, �die sich mit allen Einfl�ssen besch�ftigt, welche die angeborenen Merkmale einer Rasse verbessern und sie zum gr��tm�glichen Vorteil hin entwickeln k�nnen.� Eugenik, eine Art Sozialdarwinismus, der die feste �berzeugung anhaftet, da� die Reichen den Armen, die wei�en Europ�er den Nicht-Wei�en genetisch �berlegen seien, wurde in England, im �brigen Europa und in den USA zu einer einflu�reichen Bewegung. Ab 1911 verabschiedeten in den USA insgesamt vierundzwanzig Bundesstaaten Gesetze zur zwangsweisen Sterilisation, die Eugenik stand auch hinter den Gesetzesvorhaben, die versuchten, gemischtrassige Ehen zu verbieten. �Seit den Tagen von Galton�, schreibt Daniel Kevles, �ist Eugenik ein Wort, das - verdienterma�en - h��liche Konnotationen heraufbeschw�rt.� Anf�gen sollte man, da� Galton auf der falschen Annahme aufbaute, beide Elternteile w�rden jeweils ein Viertel der Merkmale des Nachwuchses beisteuern, den Rest die Vorfahren auf beiden Seiten. Mit der Wiederentdeckung der Arbeiten GREGOR MENDELS wurde diese Theorie verworfen. In einem Brief an Charles Darwin von 1875 schien er einen theoretischen Ansatz �hnlich wie Mendel zu verfolgen, gab diesen aber bald wieder auf. Galton war mit der �Gau�-Verteilung� vertraut und wurde einer der Begr�nder der Biometrie. 1884 er�ffnete er bei der Internationalen Gesundheitsausstellung in South Kensington ein Anthropometrisches Labor, in dem er Gewicht, Gr��e, Lungenvolumen, Muskelkraft, Seh- und H�rst�rke und andere Variablen der Besucher bestimmte. Zur Verbesserung der Gesellschaft schlug er eine Methode vor, um die intellektuelle Leistungsf�higkeit zu messen, und darf sich einigen Einflu� auf ALFRED BINETS Intelligenztest zuschreiben. 1884 hielt Galton einen Vortrag �ber die Pers�nlichkeitsbestimmung, der, im nachhinein betrachtet, relativ bedeutend wurde. �Wir wollen Listen mit Fakten, von denen jede einzelne f�r sich best�tigt, bewertet und erneut bewertet wird, und das Ganze dann akkurat addiert� - um so objektiv den Charakter eines Menschen zu �messen�. Seine gesamte Arbeit basierte auf einer Sichtweise, die Statistiken und Zahlenwerten grunds�tzlich eine nahezu unangreifbare Aussagekraft zuschrieb, eine Sichtweise, die noch heute in der Soziologie, der Epidemiologie und einigen anderen Wissenschaften zu finden ist. Heute gilt Galton als jemand, der sich geradezu obsessiv dem Messen und Z�hlen verschrieben hatte. Er quantifizierte den Grad an Langeweile, indem er das unruhige Zappeln im Publikum z�hlte, er versuchte N�herungswerte f�r die Wirksamkeit von Gebeten anzugeben. Seine ber�hmteste und f�r ihn symptomatische Messung stellt seine �BeautyKarte� Gro�britanniens dar. Bei seinen Besuchen in anderen St�dten hatte er immer ein Blatt Papier in seiner Tasche, in das er jedesmal ein kleines Loch stach, wenn ihm eine attraktive Frau begegnete; so fand er heraus, da� es die meisten h�bschen Frauen in London und in Aberdeen die wenigsten gebe. Zu Galtons Schriften - �ber dreihundert Ver�ffentlichungen gehen auf sein Konto - geh�rt auch eine kurz vor seinem Tod verfa�te phantastische Utopie, �The Eugenic College of Kantsaywhere� (etwa: �Das eugenische Institut in Kantwei�werwo�), die in Ausz�gen in der von seinem Sch�ler Karl Pearson geschriebenen Biographie abgedruckt ist. Galton wurde 1909, ein Jahr nachdem seine Memories of My Lift erschienen, zum Ritter geschlagen. Er starb am 17. Januar 1911. Noch heute verf�gt er �ber eine gewissen Anh�ngerschaft. Die von ihm gegr�ndete Eugenische Gesellschaft ging 1989 in das in London ans�ssige Galton-Institut �ber, das Anthropometrische Labor wurde sp�ter in Galton-Labor umbenannt und geh�rt heute zum University College in London, dem er in seinem Testament einen Lehrstuhl f�r Eugenik vermacht hatte.  
 

 

 

 
 
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